Titel

Titel

Freitag, 3. September 2010

Uni Alltag

Auf Grund der Nachfrage schreib ich euch jetzt mal was zu meinem Unialltag (der ganze 3 Tage pro Woche lang ist) ;-) Ich habe also 4 Fächer belegt, mehr oder weniger geht auch nicht. Ein Fach besteht meist aus einer Vorlesung und einem Tutorium von jeweils 1:50 Std., nicht wie bei uns 1:30 Std! Das ist schon echt lange, manche ziehen die Vorlesung ohne Pause durch und sich dann auch noch auf Englisch so lange zu konzentrieren ist manchmal schwer. Zur Uni gehe ich also nur von Dienstag bis Donnerstag.

Die ersten zwei Uniwochen haben mich schon ein wenig runtergezogen. Ich konnte ja leider nicht die Kurse wählen, die ich wollte, musste nun in Bachelor-Kurse und hab in den ersten zwei Wochen eigentlich in keinem Kurs etwas neues gelernt. Das war schon frustrierend, weil ich doch an meiner Uniwahl gezweifelt habe, konnte ja aber auch nix dran ändern, weil sie mir ja erst vor Ort gesagt haben, ich könne meine Kurse nicht belegen.
Dazu kam, dass die Veranstaltungen hier deutlich anonymer sind als in Deutschland bzw. Düsseldorf, wer hätte das gedacht... Das bedeutet, die Vorlesungen sind recht voll und in den Tutorien reden die meisten garnicht miteinander! Ich dachte ja die würden sich alle schon untereinander kennnen, aber das ist nur bei wenigen der Fall. Ein Großteil studiert auch nicht richtig Psychologie, sondern absolviert einen Bachelor in irgendwas und belegt mal so ein zwei Psychologie Fächer, hab das Gefühl, das gehört hier irgendwie so dazu.
Meist setzen sich die Leute auch nicht nebeneinander sondern lassen einen Platz zum Nachbarn frei. Das war echt hart, selbst wenn man mal Fragen gestellt hat und versucht hat Kontakt aufzunehmen, haben sie zwar freundlich geantwortet, aber sich dann auch wieder weg gedreht. Auch wenn man sich also schon mal unterhalten hat, heißt das noch lange nicht, dass man sich auch Tschöö sagt geschweige denn beim nächsten Mal Hallo! Die meisten scheinen da echt für sich bleiben zu wollen...
Mittlerweile habe ich zum Glück in jedem Kurs ca. 1 Person mit der ich quatschen kann und die mich auch grüßt (hat ja auch lang genug gedauert!), darunter auch zwei Australier. Ich bin jedenfalls unglaublich froh, dass ich schon so viele Leute am Anfang kennen gelernt habe, sonst wär ich in den letzten Wochen glaub ich echt depressiv geworden und würde mich zu Hause zu tode langweilen.

Meine Kurse werden langsam auch interessanter, ich lerne also (zum Glück) auch neue Sachen! Und es ist schon sehr interessant mal die Herangehensweise der Australier kennen zu lernen, die ist nämlich schon anders. In einem Fach zum Thema Sozialpsychologie (Gruppenprozesse usw.) in dem die Prof. genauso aussieht wie Prof. Pause (meine Sozialpsychologie Prof. in Düsseldorf), wird z. B. fast jede Vorlesung mit den Worten eingeleitet: "I´m sorry folks, but our topic for today is quite depressing" ich finde die Themen immer alles andere als depressiv und vorallem hoch spannend... in der letzten Stunden hat sie dann Evaluationsfragen ausgewertet und das Feedback der Studenten lautete: zu viel Theorie (sie macht aber nur ganz oberflächlich Theorie), mehr Beispiele (die Vorlesung besteht schon fast nur aus Beispielen), weniger psychologisches Fachvokabular (Hallo? Ihr seid im letzten Semester von eurem Bachelor, also gewöhnt euch gefälligst langsam mal an das psycho Fachvokabular!).
Insgesamt sind mir viele Veranstaltungen schon ein wenig zu oberflächlich (das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber da Düsseldorf schließlich sehr wissenschaftlich ausgerichtet ist, ist es schwer sich an so ein praxisbasiertes Studium zu gewöhnen), da fehlt oft die theoretische Basis dahinter oder wird nur kurz gestreift, aber das ist womöglich auch ein Produkt des Bachelors und vermutlich auch so gewollt. Wenn aber Studenten im letzten Psycho Semester nicht wissen was ein randomized controlled trial ist, das man Hypothesen nicht bestätigen kann, sondern nur falsifizieren und dass es strenge ethische Richtlinien bei der Durchführung von Experimenten gibt (nein, das Milgram Experiment darf man so heute nicht mehr replizieren...), dann packt man sich schon an den Kopf und fragt sich was sie die letzten Jahre gelernt haben!! (Alle nicht Psychos müssen den letzten Abschnitt übrigens nicht verstehen ;-) )

Wie auch bei Barbara in Neuseeland wird man dafür zugeschüttet mit Aufgaben während des Semesters, was sich ja auch sehr unterscheidet zu unserem System in Deutschland! Dauernd muss ich sogenannte Assignments abliefern, meist Essays (hab ich das letzte Mal in der Schule gemacht...), Research Reports oder Case Studies (die sind allerdings echt hilfreich und lehrreich, weil man oft einen Therapieplan für einen Klienten erstellen muss, basierend auf einer bestimmten Therapierichtung). Oft sind die Assignments nicht besonders anspruchsvoll, aber einfach umfangreich und viele zur selben Zeit. Meiner Meinung nach also alles eher ein bisschen mehr auf Quantität als auf Qualität gesetzt.
In einem Kurs muss ich jede Woche Hausaufgaben machen und es gibt auch Noten für Teilnahme und Anwesenheit (fehlt eigentlich nur noch eine Note zum Betragen und Sozialverhalten...), da fühl ich mich doch extrem in die Schulzeit zurück versetzt und merke, wie sehr ich mich an das deutsche System und meine Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit gewöhnt habe! Aber immerhin hat man so schon mal einen Teil der Endnote relativ einfach gesichert. Meist wird die Endnote aus 2-3 Assignments während des Semesters und einer Endklausur gebildet. Dabei sind die Assignments unterschiedlich stark gewichtet, häufig tragen die Endklausuren mit ca. 50% am meisten zur Endnote bei.
Meine interessanteste Erfahrung mit der Uni ist allerdings, dass alles doch so anonym ist, da ich mir das total anders vorgestellt hab. Im Vergleich finde ich Düsseldorf da z.B. weniger anonym! Da kennt man nach ein paar Jahren wenigstens ein paar der Lehrkräfte und bekommt ein bisschen Kontakt zu den Professoren, das ist hier echt garnicht der Fall! Liegt wohl auch daran, dass der Studiengang deutlich größer ist. Es ist z.B. viel schwieriger einen Platz in der Sprechstunde zu bekommen.

So, da ich ja jetzt wieder Wochenende hab gehts heute abend zum Rugby (muss man sich einmal im Stadion angeschaut haben) und morgen dann zum Surfen und abends zum Feuerwerk beim Riverfestival in Brisbane. Drückt mir die Daumen, dass ich nicht 2 Liter Salzwasser schlucke oder von Haien angeknabbert werde!

Eure Kathi

1 Kommentar:

  1. Interessante Beobachtung. Das ganze orientiert sich wohl stärker am angelsächsischen Studiensystem. Das hört man aus allen Disziplinen. Ein benachbarter Top-Jurist, der auch einen Abschluss in UK gemacht hat erzählt Ähnliches. Bis vor einigen Jahren war Jura dort im Wesentlichen ein Aufbaustudium auf den "Classics" oder Ähnlichem. Irgendwie aber auch nicht unsympathisch, dass oft die Case Praxis im MIttelpunkit steht. Und die Deutschen gelten ja schon als ziemlich mehodengeil und theoriefixiert.

    AntwortenLöschen